Liebe ReisegefährtInnen,

Wisst ihr noch??? Nein??? Ja, genau deshalb habe ich es aufgeschrieben: Es war eine Reise mit vielen Eindrücken und Erlebnissen - ich hoffe, dass ich nichts Wesentliches vergessen habe.

 

Anreise

Am Montag, den 16.10.2017 sind wir um 7.30 h vom Busbahnhof Bergisch Gladbach nach Düsseldorf zum Flughafen aufgebrochen - der Verkehr war nicht so schlimm wie befürchtet und wir waren pünktlich am Germania Schalter...Die Mitarbeiter der Airline aber ließen noch eine Stunde auf sich warten - endlich konnten wir einchecken und dann mussten wir uns doch beeilen um rechtzeitig zum Gate zu kommen. 

Die  Sicherheitskontrollen waren auch eher locker - gut für uns! Dann erneut warten, der Flug hatte Verspätung, aber wir haben uns wunderbar unterhalten:

 :-) 

Aber dann ging es mit ca. 1 Stunde Verspätung los und ohne Zwischenfälle landeten wir in Tel Aviv, wo uns Hanita, die Mitarbeiterin von Amiel Reisen in Empfang nahm und uns am Kofferband zur Seite stand um uns dann durch den Zollbereich in die Empfangshalle zu geleiten, wo unsere Reiseleiterin, Regula Alon, schon auf uns wartete. Auch Ruthy Vortrefflich, unsere Ansprechpartnerin für alles, was mit der Städtepartnerschaft in Ganey Tikva zu tun hat, war gekommen um uns zu begrüßen.

Der Bus vom Reiseveranstalter Amiel mit unserem Fahrer Messiah, der uns die kommenden Tage zusammen mit Regula zur Seite sehen würde, wartete auf uns und über die Autobahn ging es zu unserem ersten Quartier in Jerusalem, dem Prima-Parkhotel, das gleich am Ortseingang der Neustadt liegt, ganz in der Nähe der der Calatrava Brücke, die nach dem spanischen Architekten benannt ist, der sie erbaut hat: Sie soll an die Harfe von König David erinnern. 

 

Jerusalem, 17.10.2017

Nachdem alle das reichhaltige israelische Frühstück mit frischem Obst, Gemüse und Süßspeisen genossen hatten, wartete unser Messiah schon auf uns und endlich ging es los und um den Touristenströmen möglichst aus dem Wege zu gehen, änderten wir die Reihenfolge der für den ersten Tag geplanten Besichtigungen ein wenig und starteten vom Jaffa-Tor aus mit einem Spaziergang über die im 16 Jh. errichtete Stadtmauer (auf byzantinischen und römischen Fundamenten von Süleiman II). Die Mauer umgibt die Davidstadt von wo man einen schönen Rundumblick hat, so sieht man sieht z.B. das King-David Hotel auf der Seite der jüdischen Viertel und den Felsenturm im östlichen, arabischen Teil der Stadt. Gleich unterhalb der Mauer verlief bis zum Sechs-Tage-Krieg die Mauer, die Jerusalem seit 1948 teilte. 

Anschließend ging es weiter mit dem Bus auf den Ölberg, wo wir die Altstadt und die Stadtmauer, die die Altstadt von Jerusalem umgibt,  sehen konnten, auch der Felsendom mit dem vergoldeten Dach leuchtete in der Sonn: Der Felsendom (und somit Jerusalem als Ganzes) ist nach Mekka und Medina der drittwichtigste Ort im Islam, denn von dem Felsen auf den die Moschee gebaut ist, ist der Überlieferung nach Mohammed zu Pferde in den Himmel gestiegen, das Judentum jedoch besagt, das auf genau diesem Felsen Abraham sein Sohn Isaak opfern sollte.

Vom Ölberg ging es den Palmsonntagsweg hinunter am jüdischen Friedhof vorbei, hier beerdigen schon seit 2000 Jahren Juden ihre Toten, bis zur Dominus Flevit (Der Herr weinte) Kirche:  Diese wurde in der Form einer Träne auf den Ruinen von byzantinischen Fundamenten errichtet unter der Bauaufsicht des italienischen Architekten Baluzzi. Nach einer kurzen Pause im Schatten ging es weiter zum Garten Gethsemane. Der Name leitet sich ab vom hebr. Wort für Ölpresse, und somit liegt die Vermutung nahe, dass einige der knorrigen und uralten Olivenbäume schon zu Zeiten Jesu hier standen. 

Auch die Kirche von Gethsemane wurde von Baluzzi erbaut. Im Inneren kann man den Fels bestaunen, auf dem Jesu in Todesangst gebetet hat.

Auf der anderen Seite des Kidrontales stiegen wir den Berg wieder hinauf und erreichten das Damaskus-Tor, welches uns direkt auf die Via Dolorosa führte. Zunächst aber machen wir eine Mittagspause im österreichischen Hospiz im schattigen Innenhof.

Durch den Basar gingen wir anschließend bis zur Grabeskirche. Sie ist der heiligste Ort des Christentums, denn innerhalb ihrer Mauern befindet sich Golgatha, Jesus' Grab und auch der Ort der Auferstehung.

Anschließend genossen wir das erste "freie Weiden", so nannte Regula, die geborene Schweizerin, unser Ausschwärmen, bevor wir dann zum Hotel zurückfuhren.

 

Jerusalem, 18.10.2018

Nach dem Frühstück fuhren wir zunächst in die Jerusalemer Neustadt um die Menorah  (siebenarmiger Leuchter) vor der Knesset (Parlament des Staates Israel) zu besichtigen: Sie ist das Symbol des Staates Israels und ist ein Geschenk der britischen Regierung zur Staatsgründung.

Anschließend fuhren wir zum Israel-Museum - leider blieb keine Zeit um das Gesamte Museum zu besuchen mit dem Skulpturengarten, aber das 2000 m² große Modell der Stadt Jerusalem aus dem Jahre 66 n.Chr. konnten wir uns ausgiebig betrachten und erneut unserer Führerin Regula lauschen. Das Modell wird ständig aktualisiert, denn auch heute noch wird archäologisch weitergeforscht in und um Jerusalem. 

Danach besuchten wir "Schrein des Buches", das Gebäude, das geformt ist wie der Deckel eines der Tongefäße, in dem in den 40er Jahren ein Beduinenjunge in Qumran am Toten Meer die Schriftrollen entdeckte, die man hier zum Teil im Original bestaunen kann. Die Dokumente sind aus der Zeit von ca. 150 v.Chr. bis 70 n.Chr. 

Tipp:  Film über Qumran https://www.google.de/search?source=hp&ei=ONX0Wf7RL4WgUdbgiLgF&q=terra+x+brennpunkt+qumran&oq=Brennpunkt+Qum&gs_l=psy-ab.1.1.0i22i30k1l2.3492.7393.0.11054.15.14.0.0.0.0.452.2571.0j10j2j0j2.14.0....0...1.1.64.psy-ab..1.14.2566.0..0j0i131k1j35i39k1.0.mY7mtU6THX4

Das nächste Highlight des Tages war der Besuch des Mahane Jehuda Marktes in der Neustadt: Wieder "freies Weiden"!

Der Besuch in der Partnerstadt in Palästina war der nächste Punkt auf unserer Agenda und über den Checkpoint Bethlehem fuhren wir im Bus über die Grenze direkt bis vor das Rathaus, wo uns die Mitarbeiterin des Bürgermeisters, Suzan empfing und zusammen mit ihrem Kollegen gaben sie uns vor dem Eintreffen des Bürgermeisters Nicholas Khamis schon einen kurzen Überblick über das Leben in Beit Jala. Die Stadt ist seit 2011 auch eine Partnerstadt von Bergisch Gladbach. Natürlich haben wir auch herzliche Grüße von Bürgermeister Urbach übermittelt sowie ein paar kleine Mitbringsel überreichen können.

Nach dem Abschied von Bürgermeister Khamis fuhren wir noch auf die Anhöhe gegenüber der israelischen Siedlung Gilo, von wo wir auch die Mauer sehen konnten, die sich bald vollständig schließen wird und Gegenstand der Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern ist. Leider konnten wir das Kloster Cremisan nicht besuchen, obwohl das im Vorfeld mit den Mitarbeitern des Bürgermeisters so abgesprochen war. 

In der Altstadt von Beit Jala liegt auch die Abrahams-Herberge, der wir unangemeldet und spontan einen Besuch abstatteten und Mohammed, der Leiter der Herberge führte uns gerne herum und zeigte uns Hotel, Kapelle und auch den Spielplatz, der ganze Stolz des Viertels!

Auch die Rückfahrt von Palästina nach Israel verlief reibungslos und so kamen wir früh genug im Hotel an, um uns noch vor dem Besuch von Maj. Res. Arye Shalicar etwas auszuruhen. 

Arye Sharuz Shalicar ist in 1977 in Göttigen als Sohn von iranischen Juden geboren, ohne zu wissen, dass er Jude ist und nach dem Umzug der Familie nach Berlin rutschte er in die halbkriminelle Szene ab, seine Freunde waren ausschließlich Araber, die ihn als einen der ihren akzeptierten, denn sie gingen davon aus, dass er Moslem ist wie sie selbst. Als er erfuhr, dass er Jude ist, wurde er von seinen Freunden ausgegrenzt und bekannte sich dann zu seinen Wurzeln und ging als junger Mann nach Israel und leistete seinen Militärdienst, studierte anschließend Politik und schlug einen militärischen Werdegang ein. Er war Sprecher der Armee und ist heute ein hoher Mitarbeiter der Regierung und des Geheimdienstes. Er hat alle unsere Fragen beantwortet und sich ehrlich gefreut, dass er uns kennengelernt hat! Sicher hat er einigen von uns ganz andere Sichtweisen auf die schwierige Situation in Israel und dem ganzen Nahen Osten aufzeigen können.

Nach dem gemeinsamen Abendessen mit Arye brachen wir auf zur Busfahrt "Jerusalem at night" auf, ein Vorschlag von unserem Messiah, dem wir gerne gefolgt sind. Wir fuhren nochmals hinauf auf den Ölberg und genossen den unvergleichlichen Ausblick auf die beleuchtete Altstadt, Messiah hatte Wein und Salzgebäck mitgebracht und stieß mit uns an "le'chaim" - auf das Leben an! 

Die Klagemauer bei Nacht stand als nächstes auf dem Programm - Nachts noch beeindruckender als tagsüber: Die uralten Steine der westlichen Mauer des jüdischen Tempels, den die Römer 70 n.Chr. zerstört hatten. Der Ort gilt den Juden in der ganzen Welt als der heiligste und Betende trifft man hier nach Geschlechtern getrennt den ganzen Tag bis in die späten Abendstunden. 

 

Jerusalem, 19.10.2017

Unseren dritten und letzten Tag in Jerusalem starteten wir am Archäologischen Park, einer der bedeutendsten und größten Ausgrabungsstätte Israels. In den 60er und 70er Jahren fand man hier Reste des Tempels und dessen Umgebung, zum Beispiel liegen die Steinquarder, die bei der Zerstörung des Tempels auf die wichtige Handelsstraße in Jerusalem fielen -sie liegen dort bis heute. Das Davidson-Center liegt innerhalb von Kellerräumen der Anlage, die erst vor wenigen Jahren entdeckt und ausgebaut wurden. Leider konnten wir beim Rundgang die virtual-reality Rekonstruktion des Tempelkomplexes nicht genießen, da die Anlage defekt war.

König Hiskija baute um 800 v.Chr. einen Tunnel in den Fels, um die Stadt vor der erwarteten Belagerung durch die Assyrer zu schützen. Den Tunnel haben wir vollstänidig von der Gihon-Quelle bis zum Ende durchlaufen, um dann an der Klagemauer auszukommen, an der gerade eine Bar Mizwa Feier stattfand. Bei der Bar Mizwa werden die Jungen (wie bei uns Kommunion und Konfirmation) von den Männern der Familie durch ein Ritual und Gebete als vollwertige Mitglieder in der religiösen Gemeinschaft aufgenommen. 

Wir verabschiedeten uns von der Klagemauer und stiegen die Stufen in die Altstadt empor, vorbei an dem goldenen Modell des siebenarmigen Leuchters, welcher der Originalgröße des Leuchters entspricht, den die Römer bei der Zerstörung des Tempels entwendet haben: Das Modell wartet auf seine endgültige Bestimmung nach der Errichtung des 3. Tempels in Jerusalem.

Wir aßen zu Mittag und einige versuchten Fallafel, dem eigentlichen "Nationalgericht" Israels bevor wir durch das jüdische Viertel zurück zum Jaffa-Tor fuhren, wo unser Messiah schon auf uns wartete um uns nach Jad Vashem zu fahren, der Gedenkstätte für die 6 Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet worden. Der Name bedeutet "Hand bzw. Denkmal und Name". Eine der Aufgaben des Zentrums ist es, möglichst viele Einzelschicksale der Ermordeten zu dokumentieren und ihnen einen Namen zu geben. Zudem zeigt Jad Vashem eine Dauerausstellung zur Geschichte des Holocaust, ein Archiv mit Dokumentationszentrum, die Halle der Erinnerung und eine Kindergedenkstätte, wo der 1,5 Millionen ermordeten Kinder gedacht wird.

Leider blieb keine Zeit den Aussichtspunkt zu besuchen, der sich etwas hinter dem Museum befindet. Hier steht ein Waggon, in dem Juden nach Ausschwitz deportiert wurden und scheint in den Himmel zu fahren. 

Auch die Allee der Gerechten konnte Regula nur kurz in ihrer Einführung erwähnen: Die immergrünen Bäume sind zu Ehren derer gepflanzt, die sich unter Einsatz ihres eigenen Lebens für jüdische Mitmenschen eingesetzt haben. Unter ihnen auch ein Bürger aus Bergisch Gladbach, dem hier gedacht wird: 

https://mobil.ksta.de/region/rhein-berg-oberberg/bergisch-gladbach/zweiter-weltkrieg-unbekannte-retter-aus-gladbach-2640908

 

Nun hieß es Abschied auch von Jerusalem nehmen und wir machten uns auf nach Norden, an den See Genezareth. 

 

Fahrt nach Galiläa und dem See Genezareth

Zunächst fuhren wir jedoch in Richtung Osten, gleich nachdem man die Stadtgrenze von Jerusalem erreicht hat, beginnt die judäische Wüste. Am Straßenrand sahen wir die Beduinenbehausungen mit ihrem Vieh und Kamelen davor.

Von den Hügeln auf denen die Stadt Jerusalem liegt ging es schnell immer tiefer, bis auf ca. 300 m unter dem Meeresspielgel hinab bis zum Jordangraben. Unweit der berühmten Allenby-Brücke schwenkten wir auf der Straße Nummer 90 bei Jericho nordwärts und erreichten bei Dunkelheit unser Quartier am Südlichen Ufer des See Genezareth, der in hebr. Yam Kinnereth (hebr. für Harfe) heißt, denn die Forum des Sees erinnert tatsächlich an das Saiteninstrument. Wir waren im Gästekomplex des Kibbuz Kinnereth unterbracht, eines der ersten Kibbuzim, gegründet 1913. Bis in die 80er Jahre war hier ein College untergebracht, das Kibbuz-Feeling aber ist erhalten geblieben.

Die Unterkunft direkt am Ufer des Sees lud manchen zum Baden ein, jedoch hat der See derzeit sehr wenig  Wasser, was auch das Schwimmvergnügen gedämpft hat. Regula hat uns ausführlich erläutert, wie das Thema Wasser die verschiedensten Lebensbereiche in der Region bestimmt. Israel hat bereits 40% des benötigten Trinkwasser aus dem Meer gewonnen, Ziel  bis 2050 ist es, 70% des Trinkwassers aus dem Meer zu gewinnen und den Ausbau der Entsalzungsanlagen voranzutreiben.

 

See Genezareth, 20.10.2017 

Am nächsten Morgen fuhren wir zu einem Besuch nach Kfar Tikva um dort das Tulip Weingut zu besuchen. Bei den vom Ganey Tikva Verein organisierten Weinabenden mit Romana Echensperger stellt sie auch jedes Mal Weine von der Tulip Genossenschaft vor. Ein eher kleines Gut, welches aber schon einige Auszeichnungen für ihre Weine erhalten hat. Zudem sind die Mitarbeiter des Anwesens auch etwas Besonderes, so leben auf dem Gelände seit vielen Jahren behinderte Menschen, die bei der Bewirtschaftung des Gutes und bei der Herstellung des Weines mitarbeiten. Trotz der frühen Stunde und der hohen Temperaturen stellte uns Tabor, ein  Mitarbeiter des Dorfes, einige Weine vor, einschließlich Verkostung:

"White Tulip" (Weißwein), "White Franc" (rosé) und ein roter Merlot "Just Merlot". Bevor wir in den Bus stiegen, konnten wir noch einen letzten Blick auf das Dörfchen Usfiya werfen, welches auf dem Ausläufer des Carmel-Gebirges liegt. Hier leben Drusen, eine moslemische Glaubensgemeinschaft, die allerdings dem Staate Israel sehr wohlwollend begegnen, Militärdienst leisten, etc. 

Beschwingt ging es von dort zu unserer nächsten Etappe, dem Nordwest-Ufer des Sees zum Ort Tabgha, um dort die Brotvermehrungskirche unterhalb des Bergs der Seligpreisung zu besuchen.  

Laut Mathäus-Evangelium hat hier die wundersame Brot- und Fischvermehrung bei der Speisung der 5000 stattgefunden. Hinter dem berühmten Mosaik aus dem 5. Jahrhundert (Brot und Fische) ist der Stein zu sehen, auf dem Jesus die Fische vor der Vermehrung abgelegt haben soll. In den Seitenschiffen der Kirche findet man das weitere bekannte Mosaik mit Wasservögeln, Störchen und Sumpfpflanzen. Der jetzige Bau steht auf den Ruinen der Kirche aus dem 5. Jahrhundert und wurde nach Plänen eines Kölner Architektenbüros erbaut. Auch das moderne Portal  hat seine Wurzeln in Köln: Es wurde gestaltet vom Bildhauer Hillebrand aus Köln. 

Der Berg der Seligpreisung am Nordstrand des Sees mit Kirche und dem Kloster ist der Ort, an dem Jesus die Bergpredigt hielt und hier suche er sich die Apolsteln unter den Jüngern aus. Der Architekt der Kirche ist wieder der Italiener Baluzzi (1937 eingeweiht).

Auf dem Weg zu der geplanten Bootsfahrt statten wir noch dem Ort Kapernaum am Nordende des Sees einen Besuch ab: Ein Fischerhafen sorgte schon zu Jesu Zeiten für Arbeit und da Jesu keine Anhänger in seinem Heimatort finden konnte ("Der König gilt nichts im eigenen Land"), machte er sich auf nach Kapernaum um hier einige Wunder zu vollbringen. Die Ausgrabungsstätte zeigt Häuser aus römischer Zeit und die Säulen- und Quaderfragmente zeigen aufwendige Steinmetzarbeiten. Herzstück der Ausgrabungen ist aber die Synagoge aus weißem Kalkstein, vermutlich aus dem Jahre 400 n.Chr.  

Zum Ausklang des Tages stand nun eine besinnliche Bootsfahrt auf dem Programm.  Auf der Fahrt dorthin erzählte uns Frau Marlies Neumann aus den Tagebucheinträgen ihres Vaters, der im ersten Weltkrieg zu den Deutschen Soldaten zählte, die an der Seite des Osmanischen Reiches gegen die Engländer in Palästina kämpfte. Er hatte einfache Erklärungen für die Wunder vom See Genezareth: Der Nebel sorgte dafür, dass die Menschen glaubten, Jesus ginge über das Wasser und eben dieses Wasser war es auch, was die Menschen von ihrem Dreck in den Augen befreite und sie wieder sehen konnten...

Im ersten Weltkrieg gab es bis zu 16.000 Soldaten in Palästina, 1000 sind während dieser Zeit gestorben. Das Ziel der sog. Palästinafront war es, den Suezkanal zu erreichen, aber ab 1915 wurden sie von den Engländern zurückgedrängt. In Nazareth gibt es einen Deutschen Soldaten Friedhof, dort befand sich auch das Hauptquartier und ein Deutsches Lazarett.  

Der See ist wegen der umliegenden hohen Berge  der Golan-Höhen tagsüber immer leicht nebelig und tagsüber fast windstill. Schon in der Bibel wurde über plötzlich auftretende Winde berichtet, die den Nebel wegpusten - dies geschieht meist zum Sonnenuntergang, und genauso war es auch bei unserem Eintreffen am See. Als der Wind aufkam drehte das Holz Boot bei und wir konnten in der Ferne den Berg Arbel am Westufer des Sees sehr deutlich sehen. "Das Wasser tobte fürchterlich, so dass auch das Schiff mit Wellen bedeckt ward", so steht es im Matthäusevangelium. "Jesus aber bedrohte die Naturgewalten und da wichen Wogen und Wind und es ward große Stille".

Ein weiterer, ereignisreicher Tag ging zu Ende und wir fuhren zurück in unsere Unterkunft. Es war Shabbat und Messiah vollzog für uns eine Shabbat Zeremonie, brach das Brot und segnete den Wein, beides reichte er an die ganze Gruppe weiter. Obwohl es sehr laut im Speisesaal war und wir nicht die einzigen Gäste waren, war es doch ein feierlicher Moment.

 

Tel Aviv, 21.10.2017

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Tel Aviv, unserer letzten Station. Der Weg führte uns vorbei am Berg Tabor und Afula, in der Höhe von Givat Olga am Mittelmeer stießen wir auf die Autobahn A2, die den Norden mit dem Süden verbindet und die neueste der Verbindungsstraßen in Israel ist. In Tel Aviv war es erstaunlich ruhig und der Verkehr floss ohne Stau - am Shabbat ist es merklich ruhiger selbst in Tel Aviv. Unser erster Halt galt dem Yizhak-Rabin-Platz im Stadtzentrum. Hier wurde am 4.11.1995 das Attentat auf den Premierminister Rabin verübt. Er sprach zu den Menschen im Rahmen einer Kundgebung zur Unterstützung der Osloer Friedensverträge, Israels größte Hoffnung auf Frieden mit den Nachbarländern. Rabin wurde von einem jüdischen Extremisten erschossen und die Tat versetzte Israel in einen Schockzustand. Die 16 Basaltsteine, die an der Stelle liegen, wo die Schüsse fielen, stammen aus den Golanhöhen und symbolisieren die Zerbrechlichkeit der Hoffnung auf Frieden. 

Wir hielten einen Moment inne bevor wir uns aufmachten in das Sarona-Viertel.

Im Schatten der Azriely-Gebäude und des Verteidigungsministerium liegt das Viertel, welches sich in den letzten Jahren zum absoluten In-Viertel der Stadt entwickelt hat. 1871 gründeten 80 aus Baden-Württemberg stammende Templer (Pietisten) das Dörfchen mit großem Gemeindehaus, Biergarten, einer Kegelbahn, Ziegeldächern und Tapeten wie "daheim". Hier wollten sie als sog. "lebendige Bausteine" ein Gotteshaus in Palästina errichten. Sie blieben und bauten die Gemeinde stetig auf, bis die männlichen Mitglieder offen mit der NSDAP sympathisierten und englische Besatzungsmacht sie außer Landes schickte.

Nach dem Krieg lag das Viertel brach und später erklärte das benachbarte Verteidigungsministerium das Areal als militärische Sperrzone bis 1999 die Restaurierung des Viertels in Angriff genommen wurde. Die Architekten fanden in den Häusern z.B. das Büro der "Deutschen Weinbaugenossenschaft" und im Keller tatsächlich noch Flaschen des in Palästina hergestellten Weines mit Namen "Sarona rot", oder "Jaffa gold", die für den Export nach Deutschland bestimmt waren. 

Heute findet man in den Häusern Pubs, Einzelhändler, Bars und  Restaurants mit gehobener Küche. 

Vom Sarona Viertel ging es weiter mit unserem Bus durch Tel Aviv, vorbei am Habima Theater bis zum Rothschild Boulevard, wo wir den Bus wieder verließen um den Boulevard und die Bauhaus Häuser entlang der Allee betrachten zu können. Die Häuser aus der Bauhaus Periode, meist von deutschen Architekten nach deren Flucht erbaut,  waren lange vernachlässigt worden und gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. 

Auch das ehemalige Wohnhaus von Tel Aviv's erstem Bürgermeister, Me'ir Dizzengoff liegt an dieser Straße. Aus diesem Haus wurde am 14.5.1948 von Ben Gurion die Unabhängigkeit des Staates verkündet. 

Dann ging es weiter nach Jaffa, wo wir an der Uhr, die Jaffas Wahrzeichen ist, aus dem Bus stiegen: In alten Zeit war die Uhr den Reisenden, die vom nahegelegenen Bahnhof aufbrachen, eine wichtige Hilfe!

Als wir an der Mahmoudiya Moschee, die nur wenige Schritte von der Uhr entfernt liegt ankamen, ertönte wie auf Bestellung der Ruf des Muezzin, der zum Gebet rief. Die Moschee stammt aus dem Jahre 1730 und hat hinter der Fassade an der Straße einen großen Innenhof mit vielen Räumlichkeiten für die Gemeinde. In Jaffa leben Juden und Araber friedlich miteinander. 

Von hier aus sind es nur ein paar Schritte auf den kleinen Hügel, von dem aus man den wunderbaren Ausblick auf die moderne Stadt Tel Aviv genießen kann. Auf der Anhöhe befindet sich die Immanuelkirche.

Wir gingen über den Platz und die schmalen Gässchen führten uns zum Hafen von Jaffa. Jaffa zählt zu einer der ältesten Städte der Welt und war schon immer ein wichtiger Handelsknoten auch wegen der Nähe zu Jerusalem. Bis heute ist Jaffa der älteste Hafen der Welt, der noch in Betrieb ist. 

Der Hafen erzählt viele Geschichten, auch die von Andromeda's Felsen, und von der Eroberung durch die Truppen von Napoleon im Jahre 1799. 

Anschließend konnten wir etwas freies Weiden im Souk Hapishpeshim (Flohmarkt) genießen, und einige Reiseandenken einkaufen.

 

Tel Aviv, 22.10.2017

Am Morgen machen wir uns auf um die Künstlerin Orna Ben Ami in ihrer Werkstatt zu besuchen. Sie hat für Bergisch Gladbach die Skulptur "Key to friendship" gestaltet, die am Heilsbrunnen steht. Sie wird die "Iron Lady" genannt, da sie hauptsächlich mit Eisen arbeitet und sich lieber einen Kran als ein Schmuckstück zum Geburtstag schenken lässt, wie sie erzählte!

Sie ist international tätig und hat in diesem Jahr in New York im UN-Headquarter eine Einzelausstellung gehabt, wo sie ihre eindrucksvollen Werke zeigen konnte. Die Ausstellung wird auch in Bergisch Gladbach zu sehen sein und Orna freut sich auf "ihre zweite Heimat" Bergisch Gladbach wo sie am 13.12.2017 in der Villa Zanders ihre Ausstellung eröffnen wird (Einladungen folgen). Sie berichtete uns wie sie zu dieser Idee gekommen ist: Nachdem ihr Eltern verstorben waren, blieb von ihren Habseligkeiten gerade so viel übrig, wie in einen Karton passte. Dieses Thema projiziert sie auf die Flüchtlinge aus aller Welt und hat für ihre Objekte die Genehmigung von der Nachrichtenagentur Reuters erhalten, einige Fotos zu benutzen. Auch für 2018 planen wir eine Ausstellung in Bergisch Gladbach: Orna wird zusammen mit Hezy Yismach (links neben Orna) und den Bergisch Gladbacher Künstlern Mary Bauermeister, Detlev Weigand und Manuele Klein werden sie im Kulturhaus Zanders anlässlich der Deutsch-Israelischen-Kulturtage zu sehen sein.

Nach diesem herzlichen Empfang machen wir uns auf den Weg nach Ganey Tikva und kehrten vorher noch beim "Türken" in Or Yehuda ein, wo ein weiteres opulentes Mahl auf uns wartete. 

Ganey Tikva ist seit 2013 die Partnerstadt von Bergisch Gladbach und die beiden Städte verbindet eine herzliche Freundschaft, nicht nur auf der Bürgermeister Ebene - die vielen Projekte, die wir als Verein imitieren bzw. unterstützen sollen zum Austausch zwischen den Menschen und dem gegenseitigen "Verstehen" dienen: Schüleraustausche (ab 2018 mit zwei Bergisch Gladbacher Schulen), Künstler- bzw. Skulpturenaustausche, die Kulturtage und natürlich die Begegnungsreisen werden von uns gefördert.

Ruthy Vortrefflich empfing uns im Rathaus, wo sie uns einen kurzen Film zeigte, der das Leben in Ganey Tikva aus der Sicht von Kindern schildert, und sie gab uns einige Informationen zu Ganey Tikva. Vor dem Rathaus konnten wir noch ein Foto machen.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Meitar-Highschool, einer sehr modernen und fortschrittlichen erst 2016 eröffneten Schule, die mit unserem Gymnasium vergleichbar ist. Diese Schule wird ab 2018 den Austausch mit der IGP beginnen, zwei Lehrer aus Bergisch Gladbach waren einige Tage vor unserem Besuch vor Ort gewesen. In der Schule trafen wir auch die Bürgermeisterin von Ganey Tikva Frau Lizy Delaricha, die extra für uns von einem Kongress in Jerusalem nach Ganey Tikva gekommen war, uns kurz begrüßte um danach wieder nach Jerusalem zurück zu fahren. 

Natürlich ließ es Lizy sich nicht nehmen uns auch noch zum Bergisch-Gladbach-Square zu begleiten, auf dem wir im November 2016 die vom Künstler Helmut Brands geschaffene Skulptur "Jáchad", hebr. für "zusammen" errichtet haben: Es ist das erste Projekt in der gemeinsamen Geschichte von Deutschland und Israel dieser Art. Unser Jáchad ist die erste im öffentlichen Raum ausgestellte Skulptur, die auf einer Städtepartnerschaft basiert - Neben unserem Bürgermeister Lutz Urbach, dem Künstler Helmut Brands war auch der Deutsche Botschafter Herr Dr. Clemens von Götze im letzten Jahr anwesend.

Wir verabschiedeten uns von Jáchad und auch von Lizy, die nach Jerusalem zurückfuhr und machten eine kleine Rundfahrt durch Ganey Tikva, eine schnell wachsende Stadt mit vielen Grünflächen (der Name bedeutet nicht umsonst "Garten der Hoffnung") und fuhren vorbei an einem alten Wachturm, der bis 1967 in Betrieb war - das Westjordanland ist in Sichweite von Ganey Tikva.

Wir fuhren zur Synagoge von Ganey Tikva, die keine besonders strenge oder orthodoxe Gemeinde ist, wo wir den Betraum betreten und sogar die heiligen Thora-Rollen ansehen und fotografieren konnten - das ist etwas Ungewöhnliches, denn diese werden normalerweise strengstens verschlossen (in Ganey Tikva sogar in einem Tresor-Zimmer, was die Kostbarkeit der Rollen verdeutlicht) und der Rabbi der Gemeinde empfing uns sehr freundlich, führte uns herum und zeigte uns u.a. den Raum, der für die betenden Frauen bestimmt ist. Es war ein kurzer Besuch, denn die Stunde für das Abendgebet nahte.

Jetzt hieß es Abschied nehmen von Ganey Tikva und von Ruthy Vortrefflich - wir fuhren zurück nach Tel Aviv. 

Der letzte Abend in Tel Aviv brach an und wir verabschiedeten uns von Regula unserer einfühlsamen und kompetenten Reiseleiterin sowie von "unserem Messiah", der sich von den engen Straßen und den "Wildparkern" nie aus der Ruhe bringen ließ und der wahrscheinlich immer den Kopf schütteln wird, wenn er an uns denkt: Den Deutschen ist immer zu kalt im Bus.... :-)

Regula haben wir alle ins Herz geschlossen und sie wird auch die nächste Begegnungsreise mit Bergisch Gladbacher Bürgern (11.-21.10.2018) begleiten. 

 

Rückreise 23.10.2017

Am Nachmittag des nächsten Tages wurden wir von Amiel-Tours abgeholt und zum Flughafen gebracht, wo uns wieder Hanita in Empfang nahm und sicherstellte, dass wir sicher durch die Prozedur des Eincheckens uns der Sicherheitskontrolle kamen. Natürlich kam Ruthy auch eigens aus Ganey Tikva angereist um, wie sie sagte, "sicher sein zu können, dass wir auch wirklich abreisen".... :-)

Liebe ReisegefährtInnen, es war schön mit euch und ich danke an dieser Stelle nochmals herzlich für euer Vertrauen und euren Mut mit uns in das heilige Land zu reisen - von Herzen hoffe ich, dass ihr noch lange von den Erlebnissen und Eindrücken zehren könnt und all euren Lieben von Israel erzählt, damit wir noch vielen Menschen die Begegnung mit Israel, der Geschichte, den Menschen und der Partnerstadt ermöglichen können. Daniel Barenboim, der Dirigent sagt "Knowledge is the beginning - Wissen ist aller Anfang" - für die Begegnung mit Israel und all seinen Facetten trifft das sehr zu! 

Danke und ein herzliches Shalom,

Petra  

Verein zur Förderung
der Städtepartnerschaft Ganey Tikva - Bergisch Gladbach e.V.

Weinbestellung
Bestellformular_Weinabend.pdf
PDF-Dokument [1.3 MB]
Entire life in a package · Kunstausstellung mit Orna Ben-Ami
Flyer_exhibition.pdf
PDF-Dokument [3.5 MB]
Download
Ganey-Tikva-Verein.pdf
PDF-Dokument [1.9 MB]